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KI
Wir müssen nicht etwas erwerben,
das so grundlegend ist, dass es uns ohne es nicht gäbe.
Aber lasst uns aufs Neue entdecken,
dieses fundamental Einfache,
Durchdringende und Anfangslose,
das wir mit Furcht und Hoffnung,
Achtlosigkeit und Konventionen zugedeckt hatten.
Wir können es erfahren,
wenn wir unseren Körper wieder aus- und aufrichten,
mit all der Vitalität und Freude,
die zur aufrechten Haltung gehören seit unserer frühesten Kindheit.
Wir befreien unsere Füße vom Gefängnis achtlosen Gebrauchs
und stellen unser Leben wirklich auf beide Beine.
Wir stehen und gehen immer wieder wie zum ersten Mal.
Unsere Wirbelsäule schwingt als gebogener Stab
und mit jedem Schritt pulst sie den Takt
der kinetischen Melodie unseres Körpers
hinauf bis zum Scheitel.
Und darüber hinaus.
Endlich hören wir auf, einen Körper zu haben,
und fangen an, verkörpert zu sein.
Es kommt zu uns,
wenn wir aufhören
dem einen nachzulaufen,
das so flüchtig ist wie die Wolken am Sommerhimmel.
Und vor dem anderen wegzulaufen,
das so flüchtig ist wie die Wolken am Winterhimmel.
Wenn unser Greifen nachlässt, geboren aus Furcht und Hoffnung,
dann können Atem, Bewegung und Bewusstheit zusammenfließen
in zwangloser Präsenz.
Dann haben die allereinfachsten Dinge die Kraft,
die Fenster unserer Seele wieder zu öffnen
und wir selbst und die Welt sind verwandelt.
Wir müssen nicht etwas erwerben,
das so grundlegend ist, dass es uns ohne es nicht gäbe.
Aber lasst uns aufs Neue entdecken,
dieses fundamental Einfache,
Durchdringende und Anfangslose.
© 2000 Bertram Wohak
Der japanische Begriff „Ki“ hat unter anderem die Bedeutung von universeller Energie oder in Bezug auf Lebewesen bezeichnet er ihre Lebenskraft. Energie im Sinne von Lebenskraft hat stets eine ordnende Funktion. Es ist die Lebenskraft, die tote Materie in den höher geordneten Zustand organischen Lebens bringt, der physikalisch betrachtet unwahrscheinlicher ist und bei Erlöschen der Lebenskraft wieder zerfällt.
Die Lebenskraft hat somit formgebende Intelligenz, sie erzeugt und erhält die Strukturen des Organismus durch fortwährendes Auf- und Abbauen, um seine Lebensfunktionen zu gewährleisten. Wird die Lebenskraft durch irgendeine Ursache behindert oder dem Organismus teilweise oder ganz entzogen, dann wirken zerstörerische Kräfte, die ihn schwächen, krank machen oder ihn zerstören, so dass er schließlich zerfällt.
Ein hohes Energieniveau geht einher mit wirkungsvollen Funktionen und der Bildung einer dafür geeigneten Struktur. Daher arbeite ich in meiner ganzheitlichen Körpertherapie auf allen diesen drei Ebenen: Struktur, Funktion und Energie, denn sie sind nur unterschiedliche Äußerungsformen der nicht aufspaltbaren Einheit des lebendigen Menschen.
Es
ist interessant, dass die Arbeit mit dieser subtilen Energie in
den heutigen Körpertherapien an Boden gewinnt. Selbst die von
der Schulmedizin halbwegs tolerierte Akupunkturbehandlung beruht
auf einem Konzept dieser Lebensenergie. Auch wenn unsere Wissenschaft
sie (noch) nicht nachweisen kann, so können wir sie doch erfahren.
Sie entsteht, wenn Körper und Geist verbunden sind, wenn der
Geist den Körper sozusagen „bewohnt“. Den Körper
bewohnen bedeutet ganz praktisch, dass wir unser Gewahrsein in einer
entspannten und gleichzeitig hellwachen Weise auf die sensomotorischen
Prozesse des Körpers ausrichten.
Damit wir einen ungehinderten Zugang zu dieser Lebenskraft erhalten können, ist ein Zustand der Ausrichtung
nötig, der körperliche und geistige Aspekte hat:
Körperliche Ausrichtung ist mit einem Zustand der
Entspannung verbunden, einem mittleren Muskeltonus zwischen Erschlaffen
und Verspannung. Erforderlich dafür ist eine ausgerichtete
und integrierte Körperstruktur, die es erlaubt, Haltungen und
Bewegungen mit möglichst geringer Anstrengung effizient auszuführen.
Dies ist das Ziel der strukturellen und funktionalen Körpertherapien
(Rolfing, Zentherapy, Posturale Integration, Feldenkrais, Hanna
Somatics u.a.). Ausrichtung bedeutet hier den Übergang von
Haltung zu Struktur. Haltung ist etwas, das wir tun, was Anstrengung
erfordert und beim Nachlassen der Anstrengung meist wieder verloren
geht. Verbessert sich dagegen die Körperstruktur, dann können
wir in dieser neuen Struktur müheloser sein. Kurz gesagt: Haltung
tun wir, Struktur sind wir.
Der geistige Aspekt von Ausrichtung ist entspannte Unabgelenktheit.
Wie beim Körper handelt es sich um einen Mittelweg. Es ist
der mittlere Zustand zwischen den Extremen angestrengter Konzentration
und achtloser Entspannung. Unser Geist bezieht sich auf eine wache
und gleichzeitig entspannte Weise auf äußere Wahrnehmungsobjekte,
auf den Körper oder auf seine eigenen geistigen Prozesse. Auch hier ist der Übergang
vom Tun zum Sein wesentlich. Meditation ist nicht der einzige Weg,
um unseren Geist in diesen Zustand ausgerichteter Achtsamkeit und
offenen Gewahrseins zu bringen. Für die östlichen Körperwege
war diese Art der Arbeit mit dem Geist schon immer ein selbstverständlicher
und unverzichtbarer Bestandteil ihrer Praxis.
In meinem Ki-Training kombiniere ich diese Methoden und ergänze sie
durch Arbeit mit dem Atem und der Stimme. Als effektivste Form des
Ki-Trainings haben sich Retreats und mehrtägige Intensivkurse
erwiesen.
Bertram Wohak |
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